DSAM Hamburg @ 10 Jan 2018
Vom 5.01 bis zum 7.01 fand in Hamburg das größte der sieben Vorturniere zur Deutschen Schachamateurmeisterschaft statt. Gespielt wird in diesem Jahr nicht mehr in sechs sondern in sieben Ratinggruppen. Unter die 515 Schachspieler in Hamburg mischten sich mit Thomas und mir auch 2 Würselener. Generell war die Präsenz des AsVb mit 9 Spielern (4xEilendorf, 2xWürselen, 2xEschweiler, 1xAlsdorf) trotz der großen Entfernung erstaunlich hoch.
Ich startete in der C-Gruppe (DWZ 1751-1900) auf Setzlistenplatz 21 von 84. Thomas war in der A-Gruppe (DWZ 2101-2300) bei 30 Teilnehmern an 7 gesetzt.

In der ersten Partie hatte ich Weiß. Auf 1.e4 reagierte mein Gegner mit der Pirc-Verteidigung, von der ich leider keine Ahnung habe. Ich versuchte möglichst die Hauptvarianten zu meiden um meinen Gegner auch möglichst früh aus der Theorie rauszubringen. So entstand mit der Zugfolge 1.e4 d6 2.f4 Sf6 3.Sc3 g6 4.Lc4 c6 5.e5 Sd5 eine Zugfolge, die es in der Datenbank tatsächlich noch nicht gibt. In der Folge rochierte ich schnell und erlangte Druck auf den Bauern auf f7. Mein Gegner hatte zwischenzeitlich die Möglichkeit meinen Angriff komplett zu neutralisieren, verpasste diese Möglichkeit aber. So hatte wir nach dem 18. Zug von mir folgende Stellung auf dem Brett:



Ich hatte grade 18.b3 gespielt, was einerseits dem Springer auf a5 das wichtige Feld c4 wegnimmt, aber vorallem La3 droht. Diese Drohung übersah mein Gegner vollkommen, spielte stattdessen Sc6 und stellte somit die Qualität und die Partie ein.

In der zweiten Partie spielte mein Gegner mit Weiß ein recht seltsames weißes System mit 1.d4, ohne Bewegung des c-Bauern und Doppelfianchetto. Nach recht frühem umfangreichen Abtausch hatte ich nach 33 Zügen leichten Vorteil:



Weiß hat mit dem festgelegten rückständigen Bauern auf c2 eine klare Schwäche! Leider fand ich hier nicht die richtige Fortsetzung sondern spielte 33.Ta2, was nach 34.Le1 leider nur zu einem Turmtausch auf der a-Linie und folgendem Remisschluss führte.

In der dritten Partie hatte ich dann wieder Weiß. Diesmal kam es zu einem geschlossenen Sizilianer und damit erstmals zu einer "normalen" Eröffnung. Typischerweise versuchte ich es als Weißer mit einem Angriff auf dem Königsflügel, während mein Gegner auf dem Damenflügel aufgrund einiger Tempoverluste etwas langsamer war:



Ich habe hier bereits einen Angriff auf dem Königsflügel aufgebaut, während vom schwarzen Bauernsturm auf dem Damenflügel noch nicht viel zu sehen ist. Mein Gegner zog als letztes 17..g5 und droht damit mittels f6 und h6 den Königsflügel zuzuschieben, wonach meine Stellung ziemlich grauenhaft gewesen wäre. Also griff ich zum Bauernopfer 18.h4, welches mein Gegner verständlicherweise nicht annahm und mit 18..h6 einfach seinen Bauern überdeckte. Also spielte ich mit 19.f6 bereits das nächste Bauernopfer um das Feld f5 für meinen Springer zu räumen. Mein Gegner war hier bereits in akkuter Zeitnot, obwohl noch 20 Züge bis zur Zeitkontrolle zu machen waren. Nach 30 Zügen hatte ich meinen Angriff dann auf die mittlerweile offene h-Linie verlagert:



Ich hatte grade Sf5 gespielt, was eine recht einfache zweizügige Mattdrohung aufstellt. Der wahrscheinliche Abtausch auf f5 sollte meinem Läufer den Weg in den Angriff freimachen. Mein Gegner spielte allerdings aufgrund der großen Zeitnot nach nur wenigen Sekunden 29..axb3 und war danach zweizügig Schachmatt. Die genauen Züge überlasse ich hier mal dem Leser als kleine Taktikaufgabe.

Die vierte Runde brachte einen Abtauschfranzosen, in dem es nach frühem Generalabtausch und weniger als 30 Minuten Spielzeit bereits im 17. Zug zum Remisschluss kam.

In der fünften Runde bekam ich dann erneut einen geschlossenen Sizilianer aufs Brett. Ich lies mich zu einem etwas verfrühten Bauernsturm auf dem Königsflügel hinreißen. Glücklicherweise fand mein Gegner nicht die besten Verteidigungszüge, sodass ich trotzdem etwas Druck behielt:



Ich habe hier zwar einen gewissen Druck auf die gegnerische Königsstellung; allerdings hat Schwarz hier die Möglichkeit mit 19..f6 den drohenden Vorstoß f5-f6 zu stoppen, dem Springer das Feld g5 zu nehmen und gleichzeitig die Dame in die Verteidigung einzubinden. Danach wäre mein Angriff für längere Zeit erstmal weg gewesen und mein Gegner hätte am Damenflügel mit c4, Sb4 usw. fortsetzen können. Statt f6 spielte mein Gegner aber Kh8 um seinen g-Bauern zu entfeseln, was erstaunlicherweise bereits die Partie einstellt. Ich spielte 20.Sg5 mit der recht simplen Idee Dh5 gefolgt von Dxh7++. Schwarz muss sich nun einerseits um diese Mattdrohung und andererseits um seinen Läufer auf g3 kümmern, welcher immer droh verloren zu gehen. Zudem ist der wichtige Verteidigungszug f6 nicht möglich, da auf e6 eine Gabel folgen würde. Ich drohe zudem immer selber f6 zu spielen.
In der Partie folge 21..De4 und 22.Dh5 mit Aufgabe von Schwarz.

Somit war das Turnier mit 4/5 beendet, was zu Platz 3 reichte. Das Turnier gewann Äke Fuhrmann vom Hamburger SK mit 4,5/5.

In der A-Gruppe startete Thomas mit zwei Remisen in das Turnier. In der zweiten Runde kämpfte er dabei in einem vorteilhaften Endspiel lange um den vollen Punkt; sein Gegner konnte die Stellung aber leider halten. In der dritten Runde hatte Thomas dann ein Turmendspiel, in dem er diesmal deutlich schlechter stand. Sein Gegner erlaubte sich keinen Fehler mehr und gewann. Diese Niederlage sollte dann in Runde 4 bereits wieder ausgeglichen werden. In der letzten Runde folgte dann leider noch eine Niederlage, sodass Thomas mit 2/5 auf Platz 21 landete.
Die A-Gruppe gewann Björn Bente vom Hamburger SK vor seinem Vereinskameraden Julian Grötzbach. Beide lieferten sich in der letzten Runde ein nahezu endloses Duell, welches zur angesetzten Uhrzeit der Siegerehrung noch immer lief. Die Partie endete dann Remis und die Siegerehrung konnte mit 10-minütiger Verspätung starten.

Erwähnte werden sollte noch, dass mit Gerd Hueskens (Gruppe D, 4 Punkte, Platz 6) ein weiterer AsVb-Teilnehmer auf einem Qualifikationsplatz landete.

Das Turnier war wie immer super organisiert, sodass man sich auf das nächste Vorturnier an Karneval in Brühl freuen kann!
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